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Ferdinand Schneider 1866 -1955 Professor Dr. M. Werner - März 2012 |
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Fuldaer Unternehmer, Erfinder und Ingenieur · demonstrierte 1895 die drahtlose Telegrafie in Fulda · Fuldaer Kreisblatt vom 23. März 1895 · Autobiografie: St. Mollenhauer (Hrsg.): Ferdinand Schneider. Lebenserinnerungen eines Fuldaer Erfinders und Pioniers der "Drahtlosen Telegraphie". Verlag Parzeller, Fulda, 2005 (ISBN 3-7900-0378-6) · Bekannte Pioniere der drahtlosen Telegrafie: F A. Popov (St. Petersburg) und G. Marconi (Bologna) |
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Biografie Quelle: Michael Mott, Fuldaer
Zeitung, 30. März 2005 »Es war eine Sternstunde der Elektrotechnik: Am 24. März 1895 führte Ferdinand Schneider während eines Experimentiervortrags im Saal der „Harmonie" am Peterstor weltweit zum ersten Mal seine Erfindung der drahtlosen Telegrafie vor - ein halbes Jahr vor seinem italienischen Konkurrenten Guglielmo Marconi, der dafür 1909 den Nobelpreis erhielt. Im Gegensatz zu Marconi, einem Sohn reicher Eltern, fehlte Schneider das Kapital zur Verwirklichung seiner revolutionären Ideen. Trotzdem fand Schneider
Abnehmer für seine Erfindung, darunter viele Schulen. Sogar in den Kolonien
des Kaiserreichs, in Deutsch-Westafrika und Tsingtau in China, waren
Schneiders Telegrafen im Einsatz. Über eine Sendeantenne strahlten sie
elektrische Wellen aus, die über ein[e] Empfangsantenne mit Kopfhörern als
Morsezeichen gehört werden konnten. Ferdinand Schneider wurde am 10. Oktober 1866 als ältester Sohn des Goldarbeiters und Zahntechnikers Johannes Schneider und Luise Mollenhauers in der Kanalstraße 45 in Fulda geboren. In einer Dachkammer führte er schon als Kind erste Experimente durch und stellte „bengalische Feuerwerkskörper" her. Als Schüler baute er einen „primitiven Elektrisierapparat". In der Fuldaer Eisenbahn Telegraphenwerkstätte experimentierte er weiter. Sein Wissen über Uhren und umfangreiche feinmechanische Kenntnisse erwarb er während seiner Lehre beim Uhrmacher Rebentisch. Dem heimatverbundenen Erfinder wurden 117 deutsche und 64 ausländische Patente erteilt. Bezeichnend für Schneiders Erfinderleben ist aber die Tatsache, dass er die ihm angetragene Ehrendoktorwürde der Universitäten Jena und Zürich ablehnen musste, da ihm das dafür nötige Geld fehlte. Viele, so auch das „Kasseler Tagblatt", in dem 1912 ein langes Spottgedicht auf Schneider erschien, hielten den Erfinder „für ein wenig spinnert". Auch seine Idee der exakten „Weltuhr" - also die Synchronisierung aller elektrischer Uhren im Kaiserreich mit ferngesteuerten elektrischen Impulsen von einem Sender in Fulda aus - fand ein zwiespältiges Echo. Als Versuchsobjekte für diese Erfindung dienten Schneider Uhren im Pfarrhaus auf dem Florenberg, die mit seinem elektrischen Schlagwerk „Fuldensia" ausgestattet waren. Ein 150 Meter hoher Sendeturm sollte in der Johannisau erstellt werden und war bereits im Frühjahr 1914 eingemessen worden. Doch der Beginn des Ersten Weltkrieges machte die Planungen zunichte. Zudem beschlagnahmte das Militär Schneiders drahtlose Sendestation. Auch hier ging der Fuldaer also leer aus, seine geschäftliche Existenz war ruiniert. Die Grundidee der drahtlosen „Zeit-Zentrale-Schneider" jedoch wurde später verwirklicht und ist heutzutage weltweit in Gebrauch. Während des Weltkriegs arbeitete Schneider, der 1913 von Landgräfin Anna von Hessen zum Hof-Elektrotechniker ernannt worden war, bei der Minenversuchsabteilung in Kiel. Seinen Militärdienst hatte Ferdinand Schneider noch vor Kriegsbeginn in Posen [als Militärmusiker] abgeleistet. Dort lernte er Margareta Bohn kennen. Sie brachte ein Haus und 200000 Goldmark als Mitgift in die Ehe ein. Zunächst am Buttermarkt 18 zu Hause, zog die Familie 1898 in die Villa in der Brauhausstraße um, wo auch das „Elektrotechnische-Installationsgeschäft" mit einem Lager „aller elektrotechnischen Bedarfsartikel" sein Domizil hatte. Im Hinterhof betrieb Schneider eine private Funksendeanlage und eine mittels Windturbine betriebene „Elektrizitäts-Zentrale“ - die zwölf Meter hohe erste Fuldaer Windmühle raubte mit ihren quietschenden Geräuschen den Nachbarn so manche Nachtruhe. Der Strom aus dem von ihr angetriebenen Dynamo brachte die überall im Haus angebrachten Osmiumlampen zum Leuchten. Am 29. Mai 1903 lud Schneider mit einer Anzeige in der Fuldaer Zeitung zur Besichtigung der „Lichtanlage mittels Windmotorenbetrieb" in seinem Hause ein. Namhafte Fachzeitschriften priesen die Anlage. Nicht nur in seiner Heimat, etwa auf dem Kreuzberg, baute Schneider Windkraftanlagen, er lieferte sie sogar nach Holland, in das Land der Windmühlen. Ein Höhepunkt in Schneiders Karriere war die Fuldaer Gewerbeausstellung 1904. Mit einer Windturbine auf der Kaiserterasse erzeugte er Strom. Ihm wurde dafür der 1. Staatspreis zugesprochen. Neben praktischen Erfindungen für den Alltag - Entfernungsmesser, Mikrophone, Projektoren, Motoren, Sprechmaschinen, Sicherheitsmanometer, Blitzableiter, Signalanlagen und Werkzeuge - beschäftigte sich Schneider auch mit der Erfindung von Kriegsgerät, mit der U-Boot Ortung auf hoher See, magnetischen Minen und drahtlosem Sprengpulver, dem er den Namen „Fuldit" und „Schneidit“ gab. Seinen drahtlosen Kristallempfänger, einen Vorläufer des Radios, ließ Schneider ab 1923 in Wädenswil bei Zürich in Lizenz nachbauen. Es erscheint im Rückblick wie ein Hohn, dass ausgerechnet die Vielzahl seiner Erfindungen Schneider zum Verhängnis wurde: Er konnte die Patentgebühren nicht mehr aufbringen, Haus und Laboratorium wurden 1936 zwangsversteigert. Den Aufbau einer neuen Existenz verhinderte der Zweite Weltkrieg. Die letzten Jahre vor seinem Tod am 27. März 1955 lebte Schneider, der auch als Stadtverordneter gewirkt hatte und 1944 Fuldas erster Kulturpreisträger geworden war, von einem Ehrensold der Stadt. Als er 89-jährig im Altenheim St. Lioba starb, wussten nur noch Fachleute von seinen bahnbrechenden Leistungen. Bis vor kurzem erinnerte eine Sammlung im Fuldaer Schlossturm an den Erfinder mit dem Spitznamen „Patent-Schneider". Wegen der schlechten klimatischen Bedingungen wurde sie ausgelagert, seit Ostern ist sie Teil einer neuen Dauerausstellung über Schneider im Vonderau Museum. Von kurzer Dauer war eine andere Erinnerung an den Erfinder im Fuldaer Stadtbild: Die alte Berufsschule wurde 1995 Ferdinand-Schneider-Haus genannt. Doch schon 2003 musste das Gebäude dem Neubau des Kongresszentrums weichen. Auf eine Hinweistafel an Schneiders Geburtshaus in der Kanalstraße warten die Fuldaer übrigens noch heute.« |
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