Evaluitis: Hochschulranking

Mein letzter Artikel sollte zeigen, wie schwer es ist, aus einer Statistik, die mehrere Institutionen betrifft und die in mehrere Bewertungskategorien zerfällt, eine stichhaltige Rangordnung der Institutionen zu gewinnen. Wenn das schon bei untadeligen statistischen Grundlagen wie der Kriminalstatistik gilt, wie viel ungewisser ist dann ein Ranking, wenn auch noch die Datenbasis wackelig ist.

Ein Beispiel für alltäglichen Statistikplunder ist das Hochschulranking, das vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann-Stiftung in gewissen Abständen durchgeführt wird und das auflagenwirksam in den Zeitschriften des Bertelsmann-Verlags referiert wird.

Ich berichte. Wir hatten vor nicht zu langer Zeit den Fachbereich Elektrotechnik an der Fachhochschule Fulda ins Leben gerufen. Da erschien das CHE-Hochschulranking unter anderem mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik. Wir kamen dabei sehr gut weg (Fuldaer Zeitung vom 27.1.2001). Wir waren Spitze, zumindest in Hessen. Einige Kollegen meinten, das an die große Glocke hängen zu sollen.

Massenweise wurden die einschlägigen Zeitschriften geordert, um die gute Nachricht möglichst flächendeckend unter das Volk zu bringen. Die Warnung, dass uns das noch schwer auf die Füße fallen könne, blieb im Freudentaumel ungehört.

Wir hatten unter anderem bei der technischen Ausstattung gut abgeschnitten und auch die Studenten fühlten sich gut betreut. Besonders ins Gewicht fiel die Tatsache, dass alle unsere Absolventen in der Regelstudienzeit von acht Semestern abgeschlossen hatten. Das machte unseren Fachbereich zu einem Leuchtturm in der Bildungslandschaft.

Nun ist es allerdings kein Wunder, wenn in einem frisch aufgebauten Fachbereich alle Computer in Ordnung sind. Und auch die  Betreuung funktioniert sehr gut, wenn die neu berufenen Professoren sich vor allem auf die ersten Studentenjahrgänge konzentrieren können.  Aber entscheidend ist, dass den Absolventen damals gar nichts anderes übrig blieb, als in der Regelstudienzeit fertig zu werden. Zur Zeit der Umfrage gab es den Fachbereich gerade einmal vier Jahre und die ersten Absolventen hatten nur die acht Semester des Regelstudiums zur Verfügung. Diejenigen, die den Abschluss damals nicht schafften, kamen in der Statistik nicht vor. Sie „verdarben“ dafür das Ergebnis der Folgejahre.

Auch in den Folgejahren und bis heute wird der Fachbereich Elektrotechnik der Hochschule Fulda überwiegend positiv bewertet. Doch er hat sich dem Durchschnitt etwas angenähert. Was beim Publikum hängen bleibt, ist – ungerechterweise – dieser anfängliche „Absturz“ im Ranking (Fuldaer Zeitung vom 15.4.2002).

Besonder schwer hat dieses Ranking den Fachbereich Wirtschaft in Fulda erwischt. Aber der ist wohl selber Schuld. Jahr für Jahr hatten die Professoren des Fachbereichs über die schlechte materielle und personelle Ausstattung gejammert. Kein Wunder war es dann, dass die Studenten ihrem eigenen Laden keine guten Noten gaben. Es folgte ein ziemlich großer Krach innerhalb der Hochschule, der dann unnötigerweise auch noch der Presse durchgereicht wurde. Grund für das Ganze waren nicht etwa schlechte Leistungen des Lehrpersonals sondern eine total verunglückte Öffentlichkeitsarbeit, zu der nun einmal auch das Hochschulranking gehört.

Soweit die Dinge, die mir ins Auge gefallen sind. Wenn man den Berichten aus anderen Hochschulen und den Veröffentlichungen in den zuständigen Verbandszeitschriften Glauben schenkt, ziehen sich die Datenerfassungsmängel durch das gesamte CHE-Hochschulranking.

Fazit: Die Hochschulrankings erzeugen Pseudowissen und Scheintransparenz. Im Grunde sind sie nicht besser als das Lesen im Kaffeesatz.

Zum Schluss noch etwas zum Grübeln.

Konsumforschung: Am 1. September 1999 berichtet die Fuldaer Zeitung über ein Konsum­for­schungsgutachten. Es wurde herausgefunden, dass etwa 50 Prozent der in Fulda befragten Passanten täglich und nur 25 Prozent wöchentlich in die Stadt kommen. Das wurde als ein gutes Zeichen für die Attraktivität Fuldas gewertet. Ich phantasiere nun ein bisschen: In einer anderen Stadt möge die Befragung ergeben haben, dass 40 Prozent der befragten Passanten täglich und 30 Prozent nur wöchentlich kommen. Wäre das ein Zeichen dafür, dass die „Konkurrenzstadt“ weniger attraktiv als Fulda ist? (Denkfallen: Klug irren will gelernt sein)

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