Neurolinguistisches Programmieren (NLP) – Schaf oder Wolf?

Im Bekannten- und Freundeskreis wurde ich immer wieder einmal auf das Neurolinguistische Programmieren angesprochen, erstmals etwa 1983 durch einen Professoren-Kollegen mit Erfahrungen in der Unternehmensberatung. Seit meiner mehrjährigen Industrietätigkeit bin ich allerdings ziemlich allergisch gegen Motivierungsveranstaltungen der Art, die Industrieunternehmen ihrer mittleren Führungsschicht angedeihen lassen. Und NLP schien mir eine solche zu sein. Erst kürzlich kam NLP im Freundeskreis wieder zur Sprache, ein Anlass, sich die Sache einmal etwas genauer anzuschauen.

Im Grunde geht es um Verhaltensbeeinflussung. Geschehen soll das durch Abbildung eines wünschenswerten Verhaltens auf ein kybernetisches Modell, das dann mit gewissen Tricks von einer Person auf eine andere übertragen werden kann– so hofft man. Dabei kann ich selbst Quelle oder auch Ziel dieser Übertragung sein. Klar, dass derartige Lehren in Vertreterkreisen, im Marketingbetrieb und im weiten Feld der Werbung gut ankommen.

In dem über das Internet frei zugänglichen Text „Strategies The Mind-Body Connection to Behavior“ beschreibt der zertifizierte NLP Master Trainer (was immer das sein mag) Tad James die Sache folgendermaßen: “Modeling mental strategies in NLP allows us to take a strategy from one place and move it to another place. Now, if I’m dealing with content, then it’s hard to move content from one place to another. But if I’m dealing with process, if I’m dealing with the ‘how to’ regarding processing information then I can discover somebody’s internal program and I can install it in someone else.”

NLPler beschreiben NLP

Auf der Web-Seite www.nlp.de/info/nlp_methode.shtml liest sich das NLP-Konzept so: „Die NLP-Axiome (od. besser Glaubenssätze), die durchgängig auf ein hoffnungsvolles Menschenbild verweisen, sind als nicht überprüfbare Grundannahmen tragende Elemente des NLP. Als wichtigste Annahmen gelten nach einer Zusammenfassung von Thies Stahl:

1. Menschen reagieren auf ihre subjektive Abbildung der Wirklichkeit und nicht auf die äußere Realität.

2. Geist und Körper sind Teile des gleichen kybernetischen Systems und beeinflussen sich wechselseitig.

3. Viele Verhaltensmöglichkeiten sind wichtig, weil ein System immer von dem Element kontrolliert wird, das am flexibelsten ist.

4. Ein Mensch funktioniert immer perfekt und trifft stets die beste Wahl auf der Grundlage der für ihn verfügbaren Informationen.

5. Jedem Verhalten liegt eine positive Absicht zugrunde, und es gibt zumindest einen Kontext, in dem es nützlich ist.

6. Das Ergebnis von Kommunikation ist das Feedback, das der einzelne bekommt; Fehler oder Versagen gibt es nicht.

7. Kann ein Mensch lernen, etwas Bestimmtes zu tun, können es grundsätzlich alle Menschen.

8. Menschen verfügen über alle Ressourcen, die sie brauchen, um eine von ihnen angestrebte Veränderung zu erreichen.

Aus der Kombination der ersten beiden Grundannahmen sind nach Robert Dilts alle Modelle und Techniken des NLP entstanden. Die Grundannahmen werden von NLP nicht als Wahrheiten, sondern als nützlich apostrophiert. Sie können also auch verändert oder ergänzt werden. Schon von daher gelten sie auch nur als variable Bestandteile des NLP, deren Akzeptanz jedoch für die effektive Anwendung der NLP-Techniken stets (implizit) vorausgesetzt wird.“

Warum sollten sich Skeptiker für NLP interessieren?

Eigentlich ist NLP ja ein harmloses Schaf: Eingestandenermaßen sind „nicht überprüfbare Grundannahmen tragende Elemente des NLP“. Es handelt sich also um ein Glaubenssystem. Und Glaubenssysteme sind dem Skeptiker in seinem aufklärerischen Bemühen ziemlich egal. Er geht die Sache erst an, wenn ein Glaubenssystem mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit daherkommt.

Die Homöopathie beispielsweise bietet aus diesem Grund ein wirklich lohnendes Angriffsziel für den Skeptiker. (Artikel: Wie wissenschaftlich ist die Homöopathie?) Auch das Intelligent Design gehört zum Zielgebiet der Skeptiker, denn ID verbindet Religion mit Wissenschaftsanspruch. Angriffe auf das ID, Richter John Jones aus Pennsylvania nannte es seinerzeit (2005) eine „atemberaubende Trivialität“, machen darüber hinaus Spaß. Denn die gewöhnlich mit großem Ernst vorgetragenen Kernaussagen des ID lassen sich schon mit ziemlich einfachen Computerprogrammen restlos widerlegen, wie im Aufsatz „Ist das Gute göttlich oder Ergebnis der Evolution?“ gezeigt wird.

Der Wissenschaftsanspruch geht dem NLP ab – so die Selbstauskunft. Aber — hoppla! — bereits der Name Neurolinguistisches Programmieren drückt das Gegenteil aus: Der naive Adressat muss annehmen, dass es sich hier um seriöse Neurowissenschaft gepaart mit Sprachwissenschaft handelt. Und die Benennung als Programmierung setzt noch eins drauf: Sie soll das Bild solider Technik evozieren. Einen ebensolchen Etikettenschwindel finden wir bei der Scientology-Sekte.

Wir sehen: Das „Schaf“ tritt ziemlich aggressiv auf. Die Leugnung des Wissenschaftsanspruchs dient wohl nur der Immunisierung gegen Skeptikerangriffe. Skeptiker sollten sich das NLP trotzdem vorknöpfen.

Was ist dran am NLP?

Die oben genannten NLP-Glaubenssätze wirken auf mich wie die Aufmunterungszurufe eines Motivations-Gurus. Sie haben mich an Frank T. J. Mackey erinnert, den Sex-Guru aus dem Film „Magnolia“. (Tom Cruise in einer seiner besseren Rollen.)  Lernen lässt sich daraus nichts. Dazu einige Anmerkungen.

Die Kybernetik aus Glaubenssatz 2 ist eine veraltete Modellvorstellung für Körper-Geist-Betrachtungen. Einen „Steuermann“ sieht man heute nicht mehr am Werk. „Wer bin ich, und wenn ja, wieviele“ (Richard David Precht) trifft eher den Kern heutigen Wissens über die Selbstkontrollfähigkeit des Menschen.

Den Glaubenssatz 4 „Ein Mensch funktioniert immer perfekt“ halte ich für grundfalsch. Das Denkfallen-Konzept deutet in die entgegengesetzte Richtung.

Auch Glaubenssatz 6 „Fehler oder Versagen gibt es nicht“ taugt nicht viel: Wenn’s keine Fehler gibt, dann gibt’s auch nichts zu lernen. Seit 150 Jahren wissen wir, dass alle Evolution durch Versuch und Fehlerbeseitigung voranschreitet. Wissenschaft folgt dieser negativen Methode: Suche nach und Lernen aus Fehlern. NLP ist demgegenüber eine der vielen Richtungen positiven Denkens: Wohltuend und fruchtlos.

Bei den Glaubenssätzen 7 und 8 sehe ich Frank T. J. Mackey plastisch vor mir: „Ja! du kannst es!“ Wer so etwas ernst nehmen kann, ist bei NLP gut aufgehoben.

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16 Antworten zu Neurolinguistisches Programmieren (NLP) – Schaf oder Wolf?

  1. Peter Hansen sagt:

    Was für ein oberflächlicher Kommentar. Nur die Hälfte über NLP gelesen und falsch zitiert. Nicht gegen Kritik am NLP, die muss auch sein, aber bitte substantiiert und frei von Polemik.

    • Timm Grams sagt:

      An Peter Hansen, Autor des vorangehenden Kommentars, schrieb ich am 13.03.2015:

      Wenn ich Ihren Kommentar übernehmen soll, müssten Sie schon etwas konkreter werden. („Falsch zitiert“ kann kaum sein, denn ich habe die kritisierten Texte wörtlich übernommen. Dagegen ist „Nur die Hälfte über NLP gelesen“ übertrieben schmeichelhaft. Das Wenige, was ich gelesen habe, hat mir keine Lust auf Mehr gemacht. Allerdings habe ich im Freundeskreis auch NLP-Trainer und hin und wieder gibt es Meinungsaustausch zum Thema. Polemik ist übrigens ein in unserer Gesellschaft durchaus akzeptiertes Stilmittel.) Bitte formulieren Sie einen etwas substanzhaltigeren Kommentar. Ich werde ihn dann – egal wie kritisch er auch immer ausfällt – gern in meinen Blog einstellen.

      Auch wenn Herr Hansen sich bislang nicht gemeldet hat: Ich veröffentliche seinen Diskussionsbeitrag, auch um deutlich zu machen, wo ich die Grenzen eines sinnvollen Diskurses sehe.

  2. Claus Martin sagt:

    Menschen, die an NLP, Astrologie, Scientology Church oder Homöopathie glauben, sind immun gegen alle rationalen Argumente. Wenn die Homöopathie wirken würde, müßte der Umkehrschluß sein, dass wir überhaupt kein Wasser trinken dürfen, denn egal, wie gut es gereinigt wurde, es werden immer noch mehr schädliche Atome und Moleküle in ihm sein als nützliche in der nach den homöopathischen Regeln verdünnten Lösung.
    R. Hubbard hat in seinem Buch Dianetik einfach nur Behauptungen aufgestellt ohne sich zu bemühen, sie durch Fakten zu begründen. Und er und seine Nachfolger beuten ihre Anhänger gewissenlos finanziell aus, indem sie ihnen mit einem Kauderwelsch von Fremdwörtern blanken Unsinn erzählen. Die Namensgebung Scientology Church ist bereits ein Widerspruch in sich, denn Glauben und kritische Wissenschaft schließen sich aus. Glaube hat keinen Platz in der Wissenschaft. Als Privatmann kann ein Wissenschaftler natürlich ein religiöser Mensch sein, denn die Wissenschaft kann noch nicht alles erklären, so dass Raum für persönlichen Glauben bleibt.
    Astrologie läßt sich sehr leicht widerlegen und deshalb wagt es kein Astrologe, sich wissenschaftlichen Tests zu unterziehen. Dasselbe gilt für die Parapsychologie und die Wiedergeburtslehre. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür.
    NLP ist wohl etwas schwieriger zu beurteilen, da NLP einige Suggestionsmethoden übernimmt, die wirken. Aber NLP bietet darüber hinaus nichts Neues. Mit Suggestion oder dem Autogenen Training und den visuellen Techniken in ihm, lassen sich nachprüfbare Wirkungen erzielen. Aber den Menschen werden keine unrealistischen Wirkungen vorgegaukelt, wie NLP es tut.
    Die Frage ist, warum Menschen immer wieder auf solch blanken Unsinn reinfallen und nicht die Methoden lernen und anwenden, die wissenschaftlich untersucht sind und deren Wirkungen man kennt.
    Aber dann kann man auch die Frage stellen, warum intelligente Menschen wider besseres Wissen nicht richtig handeln: Warum rauchen Ärzte ? Warum kaufen wir Dinge, die wir nicht wirklich brauchen ? Warum geben wir mehr Geld aus, als wir verdienen ? Warum verschuldet sich unser Staat seit Jahrzehnten so stark, dass es unmöglich ist, die Schulden jemals zurückzuzahlen ? Warum dulden wir ein Finanzsystem, das wegen der Zinseszins-Hebelwirkung zwangsläufig nach spätestens 100 Jahren zusammenbrechen muss, weil es dann einfach sehr viel mehr Geld als Güter gibt ?
    Diese Beispiele zeigen, dass wir Menschen keine rational handelnden Wesen sind und dass der Begriff „Homo sapiens“, völlig falsch für uns Menschen ist. Und für die Menscheit insgesamt erst recht, die seit Jahrtausenden extrem dumm handelt.
    Wir sollten sehr viel intensiver die Verhaltensforschung von Primaten und Menschen betreiben, so dass wir verstehen, warum wir nicht richtig handeln können und dann Methoden entwickeln, wie wir den negativen Einfluss unseres biologischen Erbes auf unsere Entscheidungen verhindern können.

  3. Ich muss sagen, dass dieser Artikel sehr oberflächlich und nicht zwingend auf wirklichen Tatsachen basiert. Es gibt gewisse Naturgesetze in der Welt. Ein Beispiel wäre das Gesetz der Schwerkraft. Es funktioniert, ob wir daran glauben oder nicht. Wenn ich mich von 50 Metern Höhe in die Tiefe stürzen lass, werde ich auch runterfallen, da ist es wurscht ob ich an das Gesetz glaube oder nicht.

    Ebenso ist es auch mit einem anderen Naturgesetz: Das Gesetz der Anziehung, welches von Philosophen wie Albert Einstein entdeckt wurde. Es funktioniert, ob wir daran glauben oder nicht glauben. Es besagt, dass deine Glaubenssätze dein Leben kreiren. Du ziehst das in dein Leben, was dein Unterbewusstsein als Wahrheit akzeptiert.

    Wieso jetzt NLP? NLP basiert darauf, wie du es schon richtig schilderst, auf sinnvolle und nach eigenen Wünschen und Vorlieben basierende Umprogrammierung des Unterbewusstseins. Mit Suggestionen pflanzen wir ihm neue Überzeugungen ein, die sich nach gewisser Zeit mehr und mehr verwirklichen. Zahlreiche Bücher über Erfolg (Ich empfehle hier vor allem die Bücher von Napoleon Hill – er studierte 25 Jahre lang über 500 erfolgreiche Menschen und schrieb über deren Gemeinsamkeiten) bestätigen dies.

  4. Robert sagt:

    Auch wenn der Beitrag hier schon etwas älter ist, denke ich, dass es sich im Sinne der Allgemeinheit lohnt, auf die Repliken zweier Leser einzugehen:

    Wie unschwer zu erkennen, ähneln sich die beiden Kommentare der NLP-Anhänger sehr. Zunächst bedienen sich beide des Wortes „oberflächlich“. Vielleicht hat ja der eine beim anderen abgeschrieben, könnte man meinen, aber das muss gar nicht sein. Das Vokabular und auch der Stil eines NLP-Anhängers wird schlussendlich durch seine Zeit im Kurs geprägt. Er wird darauf eingeschworen und hält sich ab diesem Zeitpunkt daran.
    Sie geben Anekdoten zum Besten, erwähnen große Dichter und Denker, unterstellen Gemeinsamkeiten zwischen physikalischen Gesetzen und den Axiomen des NLP, verwischen Grenzen und empfehlen schamlos die Literatur der eigenen Lehre. Sie beschwichtigen, dass man es doch bestimmt nicht so gemeint habe, dass man sich auf halbem Wege, aber innerhalb des Denksystems des NLP, treffen könne usw.

    Ich habe dieses Jahr bereits wieder die Bekanntschaft eines NLP-Anhängers machen können, der komplett geleitet war von seiner Lehre. Er zeigte die gleichen Verhaltensmomente, wie ich sie schon so oft beobachten konnte. Man hält sich gewissermaßen gemeinschaftlich an die Vorgaben. Und so tauchen diese Symptome immer wieder auf, wie das kybernetische Moment in den Metaphern, das hämmernde Stakkato in den Reden, die kontrollierte Aufmerksamkeit auf die beiläufigsten Verhaltensmomente anderer etc., was alles noch von einem unnatürlichen Charme begleitet wird. Kurz und knapp: Man spürt nicht allein die Gehirnwäsche der NLPisten, sondern auch die ihnen eigene Geringschätzung denen gegenüber, von welchen sie annehmen, dass sie ihre Spielchen nicht durchschauen.

  5. Saskia sagt:

    Vielen Dank für diesen kritischen Beitrag. Eine gute Freundin von mir besucht diese Veranstaltung. Sie erzählt nur Positives. Wenn mich nicht alles täuscht, dann bezahlt sie für diesen Kurs/Behandlung/Selbsthilfegruppe eine gutes Sümmchen. Aus Neugierde habe ich mich zu diesem Thema mal schlaugelsen und die Anhänger scheinen wohl die Kritik an NLP als Missverständnis auszulegen (https://warmeling.consulting/neurolinguistisches-programmieren/). Schade, jetzt bin ich verwirrt und weiß nicht mehr was ich von der Thematik halten soll.

    • Timm Grams sagt:

      Wenn Sie sich gern programmieren lassen und wenn Sie Kalendersprüche mögen, sind Sie bei NLP möglicherweise an der richtigen Adresse. Alternativ dazu können Sie auch die „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick lesen. Da haben Sie mehr davon und es macht einen Riesenspaß. Falls Sie angehende Unternehmensgründerin sind, sollten Sie auf der Suche nach fachlich versierter Beratung nicht nachlassen. Von NLP würde ich mir da nicht allzu viel versprechen.

    • Heiko sagt:

      @ Saskia
      Ist die neuprogrammierte damalige Freundin heute noch eine Freundin? Würde mich interessieren. Danke.

    • Bloggeist sagt:

      Mir sagte mal ein Psychologe: NLP funktioniert zum Teil. Allerdings kommt der Teil, der funktioniert nicht aus dem NLP selbst, sondern aus der Hypnose oder Psychotherapie, während alles, was NLP selbst entwickelt hat, widerlegt wurde.

      Auf Wikipedia finden sich unter „Kritik“ einige Quellen zur Unwissenschaftlichkeit von NLP. Was mir zu denken gibt ist, dass NLP im Kern auf Theorien verweist, die in der Psychologie inzwischen fallengelassen sein sollen. Normalerweise hätte es sich ja parallel mit entwickeln müssen. z.B. scheint da immer noch das Ablesen von Augenbewegungen gelehrt zu werden, was als experimentell widerlegt gilt. Auch die einprogrammierte Suggestion hat sich wohl wissenschaftlich nicht durchgesetzt. Ich würde auch nachfragen, wieso NLP nicht als Therapie anerkannt ist. Die Kassen würden viel Geld sparen, wenn sie Raucher, Depressive usw. dort einfach schnell umprogrammieren könnten. Ratsamer fände ich da Hypnotherapie oder Persönlichkeitscoaching, welches auf einer kognitiven Psychotherapie beruht. Die wissenschaftliche Basis scheint da auch nicht so wahnsinnig dolle, aber wenigstens gilt sie nicht als widerlegt wie beim NLP.

      Dies gilt natürlich nur, wenn wissenschaftliche Argumente für Sie relevant sind. Falls Sie Esoterik oder Glaubenssysteme suchen, wären Sie bei NLP gut aufgehoben, solange es Ihr Geldbeutel hergibt.

  6. Robert sagt:

    @ Saskia und @ Heiko:

    Auch mich würde interessieren, was daraus geworden ist.

    Was die Hintergründe des NLP angeht, könnte ich da auch ein wenig aufklären. Da ich mein Blog hier nicht verlinken darf, würde ich als Referenz mein Buch „NLP – Eine Ideologie des 21. Jahrhunderts“ erwähnen, in welchem ich auf die Hintergünde eingehe.

    Zu empfehlen sind natürlich auch:

    Helisch, Miriam: Neurolinguistisches Programmieren (NLP) als Pseudowissenschaft und Blendwerk, Grin-Verlag, 2007.

    Lau Viktor: Schwarzbuch Personalentwicklung. Spinner in Nadelstreifen, Edition Steinbeis, 2013.

    Georg Steinmeyer: Die Gedanken sind nicht frei.: Coaching: eine Kritik, Lukas Verlag, 2018.

    Viel mehr gibt es ja in deutscher Sprache nicht auf dem Markt, während Tausende Publikationen seit über einer Dekade die Coachingindustrie in den höchsten Tönen loben und preisen. Eine echte Debatte über die wirklichen Absichten der NLP-Anhänger ist also seit mindestens zehn Jahren überfällig!

    • Bloggeist sagt:

      @Robert: Können Sie vielleicht die wirkliche Absicht der NLP-Anhänger anteasern? Nur kurz, die Richtung würde mich einfach mal interessieren.

    • Robert sagt:

      @ Bloggeist:

      Die Frage, was Menschen zum NLP treibt, lässt meiner Ansicht nach mehrere grundsätzliche Antworten zu. Manch einer ist zu Beginn einfach nur neugierig, andere werden beschwatzt, einen Kurs zu belegen, viele indes sind (bspw. durch gesellschaftliche Gruppenzwänge animiert) auf der Suche nach einer Methode zur Manipulation, die wie eine Form „psychologischer Magie“ wirkt und den Akteur in die Lage versetzt, ohne Umwege wie inhaltliche Debatten oder ergebnisoffenen Austausch untereinander ihre Mitmenschen zu lenken.

      Geht man allein von einer solchen Absicht des NLP-Anhängers aus, so muss man konstatieren, dass hier vor allem die Intention vorhanden ist, sein Gegenüber zu kontrollieren, entweder zu dominieren oder Reaktionen auf kalkulierbarem Weg hervorzurufen, ein Gespräch und damit die Situation zu beherrschen bzw. ein gerade im Moment aktuell erscheinendes Ziel durchzusetzen. Man spricht teilweise auch davon, eine sogenannte „Gefühlsebene zu erreichen“, also mit den Emotionen des anderen willkürlich zu spielen, sie auszunutzen.

      Allerdings erschöpft es sich damit nicht, da die Idee des NLP, also das Denkprinzip dahinter, in dem Adepten wiederum eine Wirkung entfaltet hat, beginnend mit dem Zeitpunkt, ab dem er sich der Lehre geöffnet hat. Somit ist es schwer festzustellen, ob sich ein NLP-Begeisteter nach einigen Jahren seines Selbst noch bewusst ist, obschon sein Selbstwertgefühl gewachsen ist. Durch das selbstsuggestive Eingreifen in die eigenen Denkprozesse verändert sich die Persönlichkeit, bei einigen weniger, bei anderen mehr. Ob man nun noch die Urgründe durch eine reine Befragung der NLP-Anhänger ermitteln könnte, darf man dementsprechend bezweifeln.

      Für weitere Diskussionen darüber bis ich übrigens immer zu haben.

  7. Boris Büche sagt:

    Da beißt sich was gewaltig:

    1. „Menschen reagieren auf ihre subjektive Abbildung der Wirklichkeit und nicht auf die äußere Realität.“
    +
    4. „Ein Mensch funktioniert immer perfekt und trifft stets die beste Wahl auf der Grundlage der für ihn verfügbaren Informationen.“

    Mal abgesehen davon, dass 4) ganz offensichtlich unrealistisch ist – wenn man es für zutreffend annähme, gleichzeitig auch 1. – was wären diese „verfügbaren Informationen“ noch wert in Bezug auf „die äußere Realität“?

    • Robert sagt:

      Ihre Einschätzung ist natürlich soweit korrekt, aber vielleicht ist es nötig, hierzu ein paar Anmerkungen zu machen:

      1. „Menschen reagieren auf ihre subjektive Abbildung der Wirklichkeit und nicht auf die äußere Realität.“ … 4. „Ein Mensch funktioniert immer perfekt und trifft stets die beste Wahl auf der Grundlage der für ihn verfügbaren Informationen.“

      Diese beiden Sätze widersprechen sich, wie Sie bereits festgestellt haben, nach den Gesetzen der formalen Logik, soweit so gut. Aber warum vertreten dann die NLP-Anhänger diese Ansichten scheinbar ohne weitere Bedenken? Die Antwort kann nur dann zu finden sein, wenn man beide Sätze in einem größeren Zusammenhang betrachtet, die übergeordnete Lehre zurate zieht.

      Satz 1 beinhaltet nämlich leider schon eine Täuschung. Denn in der Welt des NLP gilt der Radikale Konstruktivismus als tonangebende Erkenntnistheorie, wonach eine „äußere Realität“ gar nicht erst als wahr im Sinne des Kritischen Realismus angenommen wird. Man erwähnt zwar den Begriff der Abbildung, welcher allerdings als Reminiszenz gegenüber Alfred Korzybski (einem vereinnahmten, in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts schon längst verstorbenen Linguisten) zu begreifen ist. Der NLP-Anhänger geht gar nicht erst von einer objektiven Welt aus, er verneint sie mit beinahe nihilistischer Emphase, benutzt die Wörter „Wirklichkeit“ und „Realität“ nur in dem Sinne, dass er diese als Platzhalter für in seinem Denken nicht vorkommende Begriffe verwendet, was die Interpretation dieser Aussage merklich erschwert.

      In Satz 4 wird die These vertreten, dass jede Entscheidung zwangsläufig nur deshalb getroffen wurde, weil sie nach algorithmischen Prinzipien eine Folgerichtigkeit ausweise, die dem Menschen aufgrund einer seinem Gehirn (von Seele, Wesenheit, Persönlichkeit oder Charakter ist da nicht die Rede) unterstellten Computerähnlichkeit eigen sei, er also wie eine Maschine Daten verarbeite und zu einer nur durch seine Kapazität limitierten Konklusion komme, die dann hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Datenmengen der zufriedenstellendsten Lösung entspräche.

      Dass damit der Weg in solche Gedankenstränge wie den Transhumanismus geebnet wird, soll an dieser Stelle nur angedeutet werden, die Betrachtung führe sonst zu weit. Allein die Sprache des NLP gibt bereits genügend Hinweise darauf, welche langfristigen Ziele damit erreicht werden könnten.

      Die Unvereinbarkeit nun, die in den beiden Sätzen liegt, tritt für den NLP-kritischen Geist zwar somit sofort zutage, sie ist unmittelbar und doch zeigt sie vor allem auf, wie sehr diese Ideologie zum einen auf die solipsistische Weltsicht Bezug nimmt, diese förmlich als Prämisse verwendet, zum anderen eine kollektivistische Zielsetzung vertritt. Man könnte soweit gehen, als Motto dahinter „Solipsisten aller Länder vereinigt Euch!“ zu vermuten. Alles in allem wäre die Widerlegung der NLP-Ideologie ein sehr lohnendes Forschungsthema.

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