Der Schwarm

Vor vielen Jahren schrieb ich über Schwarmintelligenz. Das Thema scheint immer noch virulent zu sein, deswegen komme ich darauf zurück.

Ich habe den Verdacht, dass die Schwarmforscher immer noch nicht so recht wissen, welchen Nutzen die Schwarmbildung bei Fischen und Vögeln hat. Bei den schwarmbildenden Insekten wie den Bienen ist die Sache ziemlich klar: Zentral sind das verteidigbare Nest und die dadurch gesicherte arbeitsteilige Gesellschaft; außerdem ist der Wärmehaushalt im Schwarm gut zu regeln. Dass bei Fischen oder Vögeln der Grundsatz „Gemeinsam sind wir stark“ gelten soll, hat mir noch keiner so richtig klar machen können. Dass die Tiere uns Menschen gefällige Anblicke bieten wollen, das kann ich wohl ausschließen.

Ich sehe bei der Zuschreibung von Schwarmintelligenz vor allem Anthropomorphisierung am Werk, die sich in Managerkursen gut vermarkten lässt. Als Spitze des Blödsinns empfinde ich die teure und schlecht gemachte 8-teilige ZDF-Serie „Der Schwarm“. Das ist für mich vor allem Esoterik, vermischt mit tatsächlichen Bedrohungsszenarien, die auch noch miserabel in Szene gesetzt wurden. (Zum Roman von Frank Schätzing kann ich nichts sagen.)

Das alles hinterlässt mich ziemlich ratlos und veranlasst mich zu der provokanten Hypothese über die Funktion des Verhaltens unstrukturierter oder schwach strukturierter Schwärme: Möglicherweise ist es nur die Denk- oder Entscheidungsfaulheit, oder auch die Erschöpfung, die den Einzelnen zu Gefolgschaft treibt. Bekanntlich sind es nur einzelne oder wenige Tiere, die die Richtung vorgeben, wobei die Führerrolle durchaus wechseln kann. Eine Art aleatorische Demokratie scheint mir das zu sein. Diese Theorie ist auch nicht schlechter als das, was uns die Schwarmforscher als Begründungen für Schwarmverhalten bieten.

Mehr fällt mir zu dem Schwarm-Hype nicht ein. Und ja: Ich habe hier dem Drang zur Anthropomorphisierung nicht widerstehen können.

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21 Antworten zu Der Schwarm

  1. Frank Wohlgemuth sagt:

    Vielleicht ist es sinnvoll erst einmal die Begriffe zu klären:
    Schwarm ist keine Form der Sozialstruktur, sondern eine soziale Bewegungsformation.

    Um das an den Bienen zu zeigen, die leben nicht im Schwarm, sondern in einem Staat, zu dem es evolutionär durch die besondere Geschlechtsbestimmung und die dadurch entstehende Verwandtschaftsstruktur kommen konnte. Zur Schwarmbildung kommt es beim Umzug eines Volkes oder über die Kommunikation durch eine besondere Flügelschlagfrequenz gesteuerte Verteidigung des Staates.

    Außerhalb der gemeinsamen Aggression liegt der Vorteil des Schwarms bei Arten mit hohem Druck durch Beutegreifer darin, dass die Jäger sich bei einem Schwarm weniger auf ein einzelnes Tier konzentrieren können. Der Aufenthalt im Schwarm erhöht also die Chancen des Einzeltieres. (Das Greifen einer Beute aus dem Schwarm ist auch ein seltenes Ereignis. Üblicherweise besteht die Taktik der Jäger darin, zu versuchen, ein Individuum aus dem Schwarm zu isolieren, was schwer ist, wenn man die nicht auseinanderhalten kann.)

    Bei der Schwarmintelligenz kommt es darauf an, was da gerade mit „Intelligenz“ gemeint ist. Wenn es um Richtungsänderungen der Bewegungsformation geht, gibt es da Arbeiten, die das untersuchen. Es hat wenig mit dem zu tun was wir normalerweise unter Intelligenz, verstehen: eine abstrakte Kompetenz in der Entscheidungsfindung.

    Wenn diese Intelligenz gemeint ist, dann ist Schwarmintelligenz eher ein Euphemismus für eine bisher nicht weiter belegte Hoffnung. Wenn man freundlich ist, kann man es als Forschungsprojekt bezeichnen.

  2. Timm Grams sagt:

    Wenn ich ihn recht verstehe, nennt Edward Osborne Wilson Schwärmen (swarming) den plötzlichen Aufbruch eines Schwarms (swarm), der das elterliche Nest verlässt. Ein Schwarm ist folglich nichts anderes als eine Gruppe von Individuen, also eine Sozialstruktur. Was sie abgrenzt oder zusammenhält, obliegt der Erörterung.

  3. Rainer Gebauer sagt:

    Ich halte den Begriff Schwarmintelligenz nicht für gänzlich unpassend oder irreführend. Bei allen Großansammlungen von mehr oder weniger gleichartigen Individuen entsteht das Verhalten des Schwarms durch die Wechselwirkungen zwischen den jeweils unmittelbaren Nachbarn. Neuronale Netze (auch das Gehirn) funktionieren so, ebenso nukleare Kettenreaktionen oder menschliche Massenveranstaltungen. Das ist ja das Faszinierende und immer noch Rätselhafte, wie das eigentlich chaotische und scheinbar ziellose Zusammenwirken Einzelner ein Gesamtsystem zum Funktionieren bringt.

  4. Rainer Gebauer sagt:

    Kleiner Nachtrag:
    Als Berliner geht man wochenends gelegentlich in den Mauerpark, um unter anderem das Karaoke-Amphitheater zu besuchen. Hier kann man, wenn man offen für so etwas ist, eine Art Schwarm-Emotion erleben: Ein paar hundert gut gelaunte Individuen lassen sich in eine Massen-Gute-Laune fallen, so dass der Publikums-Schwarm in ein Glückserlebnis wegdriftet, das mich jedes Mal regelrecht zu Tränen rührt. Eine große Summe hat offenbar die Tendenz, Quantität in neue Qualität zu verwandeln. Nichts Neues natürlich, aber in manchen Zusammenhängen vielleicht übersehen.

  5. Timm Grams sagt:

    @ Rainer Gebauer

    Du schreibst:

    Neuronale Netze (auch das Gehirn) funktionieren so, ebenso nukleare Kettenreaktionen oder menschliche Massenveranstaltungen. Das ist ja das Faszinierende und immer noch Rätselhafte, wie das eigentlich chaotische und scheinbar ziellose Zusammenwirken Einzelner ein Gesamtsystem zum Funktionieren bringt.

    Das Rätselhafte ist tatsächlich die Strukturbildung. Wir gehen von einer Vielzahl gleichartiger Elemente aus, zwischen denen mehr oder weniger ausgeprägte Nachbarschaftsbeziehungen bestehen, das jedes für sich ansonsten funktionsarm ist. (In diesem Sinne ist ein arbeitsteilig differenziertes Bienenvolk kein Schwarm.)

    Schon die Gruppenbildung selbst geht mit einer Verstärkung einzelner Nachbarschaftsbeziehungen einher. Das ist ein erster Strukturierungsschritt. Und schon der wird wohl nicht ohne Druck seitens der Umgebung passieren.

    Das Überleben ist die Belohnung dafür, diesem Druck zu widerstehen. Voraussetzung für die Entstehung lebensförderlicher Strukturen ist also ein Belohnungssystem. So funktioniert Evolution. Wenn man nach dem Sinn bestehender Strukturen fragt, sollte man zuallererst nach dem Belohnungssystem schauen.

    Bei den neuronalen Netzen ist es ziemlich klar: Sie werden trainiert und der Trainer bzw die von ihm definierte Zielfunktion entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

    Die nuklearen Kettenreaktionen sind kein gutes Beispiel. Hier entsteht ja nichts Neues. Diese Physik wurde nur entdeckt.

    Die menschlichen Massenveranstaltungen sind eher ein Gegenbeispiel für das Entstehen fruchtbarer Kooperationen unter autonomen Einheiten. Davon war im Artikel über Meinungsmache die Rede.

    Damit lande ich bei meinem Punkt: Die Erklärungen der Schwarmforscher für das Entstehen von Schwarmverhalten bei Fischen und Vögeln überzeugen mich nicht. Vor allem kann ich nicht erkennen, wie sie dieses Verhalten auf menschliche Schwärme übertragen und wie sie damit Intelligenzleistungen erklären wollen, die die Intelligenz des Einzelnen übersteigen. Die Überschätzung der Teamarbeit bei der Entstehung des Neuen habe ich in meiner Abschiedsvorlesung angesprochen.

    Mir ist klar, dass man das auch völlig anders sehen kann. Dem Skeptiker reicht es, zur schöpferischen Verunsicherung beizutragen.

    Dein Nachtrag ist toll. Belohnung ist hier das Glücksgefühl. Aber Du sagst ja selbst, dass das Ergebnis keine Intelligenzleistung ist. Natürlich kann auch im menschlichen Schwarm Neues entstehen. Ich tendiere allerdings dazu, das dem Individuum und nicht dem Schwarm zuzuschreiben, obwohl die Anregung vom Schwarm kommen kann. Schwarmverhalten ist das nicht.

    • Elektroniker sagt:

      Vermutlich entstehen neue „intelligente Muster“ dann, wenn bestehende Muster „probeweise“ einem Problem „zugrunde gelegt“ werden und sozusagen „gut passen“.

      Sie werden besser wissen wie es genau war, aber es bestehen so etwas wie „strukturelle Ähnlichkeiten“ zwischen I(t) = C * dU/dt bzw. U(t)=-L*dI/dt, auch so etwas wie ein „Dualismus“.

      Ein ursprünglich nur vermuteter „Zusammenhang“ soll in diesem Sinne in der Forschung genutzt worden sein, bzw. immer noch in neuen Forschungen genutzt werden. Das wäre eine „anschauliche Begründung“ für das Konzept der „Musterverarbeitung“.

      Das Verhalten einer Spule im Gleichstromkreis ist somit vergleichbar mit dem Aufladen eines Kondensators an einer Gleichspannungsquelle.

      Bei der „Schwarmintelligenz“ erhöht sich einerseits die Wahrscheinlichkeit, dass ein „Mitglied“ des Schwarm neue zweckmäßige Muster „findet“.

      Besonders bemerkenswert bei einem „Schwarm“ ist aber andererseits, dass „Verhalten“ vielfach „kopiert“ wird und die „Mitglieder“ das Verhalten des „Führers“ oder anderer „Schwarmmitglieder“ einfach nachahmen und weitergeben. Manche folgen dem „Führer“ sogar ins Verderben. Auch Menschen neigen bekanntlich mitunter dazu, einem „Führer blind zu folgen“.

      Der wesentliche Vorteil könnte sein, dass sich „Neuentdeckungen“ im (baumartig organisierten) Schwarm, wegen der „Kopiereffekte“ (durch Nachahmung) besser „durchsetzen“ können. Es muss gar nicht der Anführer die „gute Idee“ haben, wenn z.B. jedes Mitglied 2 „Nachfolger“ hat. Es bilden sich einfach nach und nach neue, immer „bessere Schwärme“ mit einem „neuen Führer“.

      Die positiven Wirkungen der „Intelligenzleistung“ eines Schwarmmitgliedes übertragen sich durch „Nachahmung“ auf die „baumartig nachfolgenden“ Mitglieder, sie erweitern ihr „Wissen“, lernen sozusagen dazu.

      Die „baumartige Struktur“ scheint effizienter als „zufällige“ Koppelungen, besonders wenn das „neue Verhalten“ von hierarchisch „vorne“ befindlichen Mitgliedern der Gruppe ausgeht. „Rückkoppelnde Teamarbeit“ dürfte es im Schwarm eher nicht geben.

  6. Rainer Gebauer sagt:

    Wenn ich die Idee hinter der Begriffsbildung „Schwarmintelligenz“ richtig verstanden habe, wird damit eine Organisationsstruktur bezeichnet, die eben gerade nicht hierarchisch funktioniert. Weder gibt es Anführer noch Top-down-Entscheidungen, sondern das Kollektiv aus eng vernetzten Gleichen wird gewissermaßen zum Individuum eine Ebene höher. Ob menschliche Gruppen diesen Zustand erreichen können und damit dann bessere oder schlechtere Ergebnisse im Überlebenskampf erzielt werden, ist eine ganz andere Frage.

    • Elektroniker sagt:

      @ Rainer Gebauer

      Der Begriff „Schwarmintelligenz“ bezieht sich eher darauf, dass es so scheint als würden auch „Schwärme“ Intelligenz „hervorbringen“, wie auch immer.

      Wie derartiges geschehen könnte, hat Prof. Grams in seinem Link (über die Abschiedsvorlesung) so beschrieben, wie es eben bei den „Elektroleuten“ traditionell so gedacht wird. (Dosentelefon, oder Gutenberg, der als Kind in Obstpressen Abdrücke von Gegenständen erzeugt haben soll, und das „Prinzip“ beim Buchdruck eingeführt hat).

      Ich habe meine „Ideen“ vom Schwarm (samt der „politischen“ Interpretation) Biologen „abgeschaut“ habe aber keine Quellen mehr. Die „nachfliegenden“, oder „nachschwimmenden“ „Mitglieder“ ahmen einfach den „Vorgänger“ nach. Auch Menschen „klatschen“ z.B. im Theater, weil auch der Nachbar „klatscht“…

      Es entwickeln zwar einzelne Schwarmmitglieder neue „Gedanken“, es ist aber meine Interpretation, dass sich diese „Gedanken“ über das stark dominierende „Nachahmungsprinzip“ der „baumartig hintereinander fliegenden“ Elemente besser verbreiten können, als in einem „ungeordneten Verband.

      Die Biologen haben explizit behauptet, dass eben der „Führer“ (und nicht das Kollektiv) die Richtung vorgibt und „bestimmt“ wann und wo z.B. zur Nahrungsaufnahme gelandet wird .

    • Antiafdantilinks sagt:

      Ein wunderbares Buch von Susan Blackmore, Die Macht der Meme….

      Kurz zusammengefasst von Chatgpt (könnte Lust auf lesen machen):

      „Susan Blackmore’s
      „Die Macht der Meme“
      (im Englischen „The Meme Machine“)
      ist eine tiefgreifende Untersuchung der Theorie der Memetik, die das Konzept der „Meme“ als kulturelle Analoga zu biologischen Genen präsentiert.
      Hier sind einige der Hauptpunkte und Überlegungen aus dem Buch:

      Definition von Meme: Meme sind kulturelle Einheiten von Informationen, die sich durch Imitation verbreiten. Beispiele sind Melodien, Ideen, Kleidungsstile oder Slogans.

      Evolution von Meme: Genau wie Gene durch natürliche Selektion evolvieren, tun dies auch Meme, indem sie von einem Geist zum anderen übertragen werden. Diejenigen, die effektiver kopiert werden, setzen sich durch.

      Menschliche Evolution: Blackmore schlägt vor, dass Memetik eine wichtige Rolle in der menschlichen Evolution gespielt hat, insbesondere in der Entwicklung unseres großen Gehirns, unserer Sprachfähigkeit und unserer Kultur.

      Selbstbildung: Sie stellt die Idee vor, dass das „Selbst“ eigentlich eine Illusion ist, die von konkurrierenden Memen in unserem Gehirn geschaffen wird. Unsere Gedanken, Überzeugungen und Persönlichkeiten sind das Produkt von Memen, die über Generationen hinweg übertragen wurden.

      Technologische Evolution: Mit der Einführung von Technologie, insbesondere des Internets, hat sich das Tempo der Meme-Verbreitung erheblich beschleunigt. Das führt zu neuen Formen der kulturellen Evolution.

      Kritik an der Theorie: Blackmore geht auch auf Kritik an der Memetik ein und bietet Antworten auf häufige Einwände.

      Zukunft der Memetik: Sie spekuliert über die Zukunft der Memetik und wie sie sich auf die menschliche Entwicklung auswirken könnte.

      Zusammenfassend betrachtet Blackmore Meme als einen fundamentalen Faktor in der menschlichen Entwicklung und Kultur. Sie argumentiert, dass das Verständnis von Memen und ihrer Art, sich zu verbreiten, essenziell ist, um das menschliche Verhalten und die Gesellschaft insgesamt zu verstehen. Das Buch bietet eine faszinierende Perspektive auf die Kreuzung von Kultur, Psychologie und Evolution.

    • Timm Grams sagt:

      Noch einmal: Wir diskutieren hier nicht mit Robotern. Ich gehe auf den ChatGPT-Text ein, um zu zeigen, dass man einen solchen Text als Diskussionsbeitrag nicht ernst nehmen kann. So etwas führt zwangsläufig zu Verflachung der Diskussion.

      Der ChatGPT-Text rühmt Susan Blackmores Buch Die Macht der Meme. Was dort versprochen wird, hat Richard Dawkins in seinem Buch Das egoistische Gen bereits hinreichend detailliert ausgeführt.

      Richard Dawkins hat vermutlich nicht gemerkt, dass er sich mit dem Mem-Konzept selbst widerspricht. Von ChatGPT kann man das schon gar nicht erwarten. Dass Susan Blackmore das nicht gemerkt hat, wundert mich etwas. Beispielsweise wendet sich Dawkins mit folgenden Worten gegen die Gruppeselektion: „Ich werde zeigen, dass die fundamentale Einheit für die Selektion und damit für das eigene Interesse nicht die Art, nicht die Gruppe und – streng genommen – noch nicht einmal das Individuum ist. Es ist das Gen, die Erbeinheit.“

      Mit diesem Standpunkt musste er in Streit geraten mit Edward Osborne Wilson, dem Begründer der Soziobiologie. In diesem Streit hat Dawkins zu einem Ad-populum-Argument gegriffen, was von der Wissenschaftsgemeinde übel vermerkt worden ist.

      Dawkins merkt wohl selbst nicht, dass das Mem erst recht nicht als eine fundamentale Einheit der Selektion dienen kann. Es ist viel zu schlecht definiert. Der missionierende Atheist Richard Dawkins ist sehr sprachmächtig und er verwendet hin und wieder ziemlich gewagte Metaphern. In der Dankesrede anlässlich der Übergabe des Karlheinz Deschner-Preises der GBS am 12.10.2007 sprach er von Gehirnen, die von einem schrecklichen Parasiten entführt werden, „von dem Virus des religiösen Glaubens“. Jetzt scheint ihm Virus die treffendere Bezeichnung zu sein für das, was von Gehirn zu Gehirn springt und sich so vermehrt. Ich würde das alles nicht so schrecklich ernst nehmen.

      Nebenbei: Ich halte viel von der Gruppenselektion. Damit kommt man der kulturellen Evolution wesentlich näher als mit dem Begriff des Mems.

      Das alles schreibe ich nur, weil ich zeigen will, dass ein Roboter wie ChatGPT in einer echten Diskussion keine Chance hat und dass eine solche Diskussion einem menschlichen Diskutanten keinen Spaß machen kann. Ich bitte erneut und dringend darum, in Kommentaren keine von ChatGPT generierten Beiträge zu verwenden. Sie können nur als Gegenbeispiele dienen, und davon haben wir inzwischen ja genügend viele gesehen.

    • erkriegtdenpunkt nicht sagt:

      Der Punkt war:

      Chatgpt fasst ,natürlich sehr oberflächlich, den Inhalt des Buches zusammen.

      in kürzester Zeit, ob man das Buch dann lesen möchte und die Thesen teilt bleibt doch jedem selbst überlassen, woher kommt ihr Beißreflex?

      [Als Moderator sorge ich für die Einhaltung von Regeln. Eine Regel
      dieses Blogs ist: Keine Roboter! Eine andere: Nichts ad-hominem! Eine dritte: Kein Versteckspiel! Gegen diese Regeln verstoßen Sie andauernd. Das Hoppla!-Blog ist nichts für Sie.]

    • Frank Wohlgemuth sagt:

      @ Timm Grams

      Zu Gen versus Gruppe mal eine Biologensicht:
      Ich fand „das egoistische Gen“ damals bereichernd. Aber genauso, wie ich in der Schule die Geschichte aus der Blickrichtung der bürgerlichen Freiheiten statt aus der Blickrichtung der Machthaber bereichernd fand, als eine weitere Richtung bzw. Ebene der Betrachtung und Beschreibung dieser historischen Prozesse. Ich habe es nicht verstanden, warum Dawkins meinte, seine Sicht müsse die andere ersetzen. Das heißt aber gleichzeitig, dass ich auch die Gruppenselektion als eine unvollständige Sicht betrachtete. Diese religiöse Attitüde des Alleinseligmachenden kam mir auf beiden Seiten reichlich überzogen vor.

      Bei der Memetik sind wir uns einig. Im Gegensatz zum Gen ist das angeblich Entsprechende, das „Mem“, im Gebäude der menschlichen Kultur nicht wirklich zu erkennen, geschweige denn zu definieren. Wir haben so unterschiedliche Subjekte innerhalb der kulturellen Evolution wie Sprache, Handwerk, Religion, usw. sodass es mir ziemlich gehetzt vorkommt, da ein gemeinsames Gegenstück zum Gen suchen zu wollen.

      Was wir immerhin haben, ist ein grundsätzliches Analogon zur DNA-Verdoppelung, das bei dieser Diskussion regelmäßig nicht erkannt wird:
      Dazu ein Zitat aus Tomasello: Die kulturelle Entwicklung des Menschlichen Denkens 2006.

      Nagell, Olguin und Tomasello zeigten z.B. Schimpansen und zweijährigen Menschenkindern ein rechenartiges Instrument und einen Gegenstand, der außer Reichweite lag. Das Instrument konnte auf eine von zwei Weisen verwendet werden, die zu demselben Ergebnis führten, nämlich zum Erreichen des Gegenstandes. Eine Gruppe von Probanden der jeweiligen Art beobachtete, wie ein Vorführender eine Methode des Werkzeuggebrauchs verwendete, die weniger effizient war, und eine andere Gruppe beobachtete die andere, effizienter Methode des Gebrauchs. Der Versuch ergab, dass während die Menschenkinder im Allgemeinen in beiden Versuchsbedingungen die Methode des Vorführenden nachmachten (Imitationslernen), die Schimpansen verschiedene Dinge taten, um den Gegenstand zu erreichen, und diese waren von der selben Art, gleichgültig, welche Methode sie beobachtet hatten (Emulationslernen). Interessanterweise bestanden viele Kinder selbst im Fall der weniger effizienten Methode auf der Reproduktion des Erwachsenenverhaltens, was unter dieser Versuchsbedingung zu einer Leistung mit geringerem Erfolg führte als bei den Schimpansen.

      Der Stellenwert dieses Versuchsergebnisses, dass Menschen durch Imitation lernen, ist leider selbst innerhalb der Anthropologie noch nicht angekommen, wahrscheinlich weil Evolution unbewusst immer im Zusammenhang mit Genetik gedacht wird. Deshalb auch die u.a. oft von Mayr zitierte, verkürzte Darstellung, dass Evolution sich aus Variation aus Auslese ergibt. Was dabei übersehen wird, ist, dass diese Variation und Auslese nur auf der Basis der (teils fehlerbehafteten) KOPIE des Vorgängers geschehen kann. Dass das wirklich so ist, lässt sich an der hunderttausende Jahre dauernden Entwicklung der ersten behauenen Geröllwerkzeuge von vor ca. 2,5 Mio Jahren bis zu stärker modellierten des Acheuléen (bis 300.000) sehen. In den Vorlesungen dazu heißt es immer noch, der Unterschied zwischen den Menschen und den anderen Affen bestünde darin, dass der Mensch diese Werkzeuge bewusst für ihren Zweck geschaffen hätte, also z.B. einen scharfen Grat erzeugte, um damit zu schneiden. Die Frage, warum das nicht schneller ging, wenn dieses logische Kalkül möglich war, wird nicht gestellt. Das Tempo der Entwicklung der steinzeitlichen Werkzeuge ist über lange Zeiträume fast so langsam wie das einer genetischen Evolution. Ich gehe deshalb davon aus, dass da am Anfang nicht viel Bewusstsein und Denken mit im Spiel war. Der denkende Mensch bedarf zum logischen Kalkül einer Sprache, die das zulässt. (Leider habe ich in der Anthropologie noch keinen Ansatz gesehen, die Sprach- und damit Denkfähigkeit des Menschen an seinem Innovationstempo zu messen, das in seiner Werkzugentwicklung erkennbar sein müsste.)

      Das bedeutet, dass ohne ein sehr tief verwurzeltes Imitationslernen weder eine Akkumulation unserer Kultur noch ihre Evolution hätte stattfinden können. Andersherum: Normalerweise reproduzieren wir die Kultur unserer Eltern. Wir übernehmen ihre Regeln als Gefühle in unser unbewusstes Denken und filtern unsere Wahrnehmung so, dass sie möglichst wenig zu Konflikten führen. Was wir vermeiden, ist weniger die Anstrengung des Denkens (Sie beschreiben in Ihren didaktischen Artikeln selbst das Glück und den Erfolg dieser Anstrengung), sondern eher der Konflikt mit den Eltern – dazu passen auch die Ergebnisse von Alice Miller, die sich als Therapeutin mit der Tradition schädlichen Verhaltens beschäftigte.

      Die Kultur, die zwar im Nachhinein auch in Regeln beschrieben wird, aber zum großen Teil bereits nonverbal übernommen wird, wird in der Familie vorgelebt, von der Sprache, der Autorität des Vaters / der Eltern über das Zusammenleben der Geschlechter bis hin zur Offenheit nach Außen, und je dichter und autoritärer die Familienverbände sind, desto beständiger ist diese Kultur.

    • Timm Grams sagt:

      @ Frank Wohlgemuth

      Glücksgefühle sind Belohnung der Anstrengung beim Problemlösen. Aber zuerst kommt die Anstrengung:

      Man quält sich stunden-, tage- oder gar wochenlang damit herum; je größer diese Qual, desto stärker das Glücksgefühl, wenn man schließlich auf die Lösung gekommen ist.

      Meine Beobachtung ist, dass viele die Einstiegshürde nicht nehmen wollen. Das nenne ich Denkfaulheit. Aber es gibt weitere Gründe, einem Vorturner zu folgen. Sie sprechen die Erziehung an. Mir fällt die Propaganda ein. Schwarmverhalten im hier besprochenen Sinne ist das jedoch nicht.

    • Frank Wohlgemuth sagt:

      @ Timm Grams

      Bei der von Ihnen erwähnten „Denkfaulheit“ hab ich einen anderen Verdacht, der aus meiner Arbeit als Nachhilfelehrer und Erlebnissen im Biostudium resultiert: Es gibt einige Menschen, die gar nicht in der Lage sind, mathematische Abstraktionen ab einem gewissen Grad selbständig zu denken. Da es unüblich ist, an den Schulen auf derartige Schwächen hinzuweisen – die sind in den „Laberfächern“ regelmäßig schließlich auch im Kollegium vorhanden – kommen diese Menschen auch an die Uni und gehen manchmal auch in technische oder naturwissenschaftliche Fächer. In der Biologie durfte ich als Student in den Seminaren gelegentlich Mittelstufenmathematik erklären, einmal auch einem Dozenten ….

      Schwarmverhalten im eigentlichen Sinn ist unreflektiert. Ein passendes Beispiel ist eine panische Massenflucht.

      Es gibt bei Menschen auch aggressive Kollektivverhalten, in denen die Reflexion weitgehend ausgeschaltet ist. Dazu bedarf es eines charismatischen Agitators/Demagogen und einer entsprechenden Vorbereitung in der Erziehung. Ich vermute das Wesentliche dabei sind hinreichend angstbesetzte Tabus, bei deren Verletzung durch andere, da kommt dann der Agitator ins Spiel, die eigene Angst in Aggression umschlagen kann.

      Das gibt es im Kleinen, z.B. bei einem Lynchmob, etwas Ähnliches ist wahrscheinlich auch bei einer wütenden Soldateska wie in Butscha (https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Butscha ) der Fall gewesen, aber das ist auch in größerem Maßstab zu beobachten. 2008 hatte die Benennung eines Teddybärs mit dem Namen Mohammed im Sudan gereicht, um in Karthoum 10.000 Menschen auf die Straße zu bringen, die den Tod der Lehrerin forderten, die diese „Blasphemie“ begangen hatte.

      On 30 November, approximately 10,000 protesters took to the streets in Khartoum,[15] some of them waving swords and machetes, demanding Gibbons’s execution after imams denounced her during Friday prayers. During the march, chants of „Shame, shame on the UK“, „No tolerance – execution“ and „Kill her, kill her by firing squad“ were heard. Witnesses reported that government employees were involved in inciting the protests.[16] Gibbons was then moved to a secret location because of fears for her safety.

      (https://en.wikipedia.org/wiki/Sudanese_teddy_bear_blasphemy_case )

      Wenn man die Teilnehmer solcher Aktionen fragt – unsere Generation hatte ja reichlich Zeitzeugen des Nationalsozialismus zur Verfügung – dann war das Gefühl in der Situation nicht negativ, sondern ein Aufgehen des Individuums in die Gruppe / Masse und für ein gemeinsames Ziel – also ein mystisches Erlebnis.

  7. Elektroniker sagt:

    „Meme“ gehören zu den „übertragbaren, Prozesse steuernden und auch speicherbaren „Informationen“ wie auch Gene.

    Man könnte sie mit „Software“ vergleichen die mit „Hardware interagiert“. (Damit haben “Materialisten“ Probleme). Bei Genen kann die Information auf chemischen Strukturen, z.B. DNA, RNA, „abgebildet“ und z.B. viral übertragen, chemische Prozesse steuern, und sogar evolvieren und weitergegeben werden.

    Meme nutzen als „Übertragungs- und Wirkungsmechanismen“, z.B. „modulierte“ Schallwellen, „moduliertes“ Licht, oder im Gehirn so etwas wie „modulierte Ladungsträger“ um Prozesse zu steuern.

    Letztlich bewirken „Meme“ und „Gene“ eine Prozesssteuerung, was auch Techniker/Informatiker auf technischen Plattformen anstreben und täglich realisieren. Techniker wollen letztlich „natürliche Konzepte“ nachahmen um ein besseres Leben in der vorhandenen Umwelt zu ermöglichen.

    Beispiele für Meme sind Melodien, Ideen, Kleidungsstile oder Slogans die auf das „Leben“ Einfluss nehmen können. Auch Ideologien/Religionen realisieren eine Art von „psychisches Betriebssystem“.
    Anders als Richard Dawkins, vermute ich, dass Ideologien/Religionen die Existenzfähigkeit der Menschen gefördert haben. Darauf deuten die unterschiedlichen Geburtenraten, abhängig von der Religion hin.

    Dass sich Richard Dawkins mit dem Mem-Konzept selbst widerspricht, vermute ich auch. Für Theologen entsprechen Gene, Meme ungefähr dem Konzept der Seele. Und die ist die absolute „Glaubensbasis“ von vielen Religionen, zumal „Information“ (der Gene und Meme) nach dem Tod (im Netzwerk der Menschen) zweifellos weiter existiert…..

    Für die Selektion ist vermutlich die Kombination aus Genen, Memen und Umwelt entscheidend.

    Für mich wäre die Frage an einen „Simulationsexperten“ interessant, ob man den „kreativen Prozess“ aus Mustern, wie z.B. ehemals beim Dosentelefon, Buchdruck, Differentialgleichungen,…. technisch simulieren könnte? Allenfalls im systematischen Wechselspiel von Spezialisten und KI Systemen?

    • Timm Grams sagt:

      @ Elektroniker

      Mem gleich Seele: Das ist mir denn doch zu gewagt. (Dennoch: Sie bringen mich immer mal wieder auf neue Gedanken.)

      Bleiben wir bei der Frage, die an mich gerichtet ist, nämlich,

      ob man den „kreativen Prozess“ aus Mustern, wie z.B. ehemals beim Dosentelefon, Buchdruck, Differentialgleichungen,…. technisch simulieren könnte? Allenfalls im systematischen Wechselspiel von Spezialisten und KI Systemen?

      Beim tiefen Lernen in der KI ist klar, wohin man will. Die Zielfunktion ist gegeben. Im Grunde wird nur die Zielerreichung mittels einer parameterisierten Vielfalt von Lösungsversuchen innerhalb einer vorgegebenen Struktur optimiert. Schöpferisches Denken oder Problemlösen ist etwas anderes. Die einzelnen Brocken für die Problemlösung liegen in der Welt ungeordnet herum. Und es gibt Millionen von Leuten, die diese Brocken zumindest ausschnittsweise sehen. Unter diesen Leuten gibt es welche, die einige der Brocken so zusammenfügen, dass unbeabsichtigt eine Lösung entsteht. Oft ist es so, dass diese Leute ein Problem lösen, das sie gar nicht hatten. Erfinder ist dann derjenige, der das Problem kennt oder zuerst entdeckt. Das nennt man Serendipity. Musterbeispiel ist die Erfindung des Telefons. Reis und Gray waren dran; Bell hat wohl als Erster den Nutzen erkannt. Bei der Verifizierung der Erfindung und deren Optimierung treten dann menschliche Teams, das Laborexperiment, die Computersimulation und die künstliche Intelligenz auf den Plan. Ich kann nicht sehen, wie die heutige Computertechnik einen wirklich schöpferischen Prozess leisten kann.

      Noch etwas: Sie schreiben

      Techniker wollen letztlich „natürliche Konzepte“ nachahmen um ein besseres Leben in der vorhandenen Umwelt zu ermöglichen.

      Ich erinnere mich an ein Spracherkennungsprojekt, das bei IBM gelaufen ist. Man hat sich damals von den Ideen der Linguisten verabschiedet. Mit Hidden-Markov-Modellen war man erfolgreich, und die hat man nicht der Natur abgeschaut.

      Nachtrag, 8.10.2023:
      Ohne Wissen und Erfahrung gibt’s keine Geistesblitze. Da keiner weiß, wo und auf welchem Fachgebiet sich ein solcher Geistesblitz ereignen wird, gibt’s nur eine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit dafür zu erhöhen: differenzierte Bildung aller.

  8. Elektroniker sagt:

    @ Timm Grams

    „Mem ist gleich Seele“, kann natürlich nicht stimmen. Die Besonderheit ist, dass „Theologen“ (vor tausenden Jahren) ernsthaft vermutet haben, dass es außer „Materie“, eine weitere „Entität“, („Geistiges“) geben könnte, die von der Materie „extrahiert“ werden kann? Dass „Geistiges“ real (z.B. in einem Netzwerk) weiter existieren könnte, auch wenn die Existenz der „Hardware“ (die mit dem Geist „verknüpft“ war) endet.

    Gene, Meme, Mikroben,…. als „Informationsträger“ übermitteln „Information“ (auf die es ankommt) z.B. als „Bauplan“ oder „Handlungs- bzw. Denkanweisungen“ an „Nachkommen im Netzwerk“.

    Die Softwareindustrie macht Milliardenumsätze seit dieses Konzept rechtlich akzeptiert wurde und die Kosten von der Steuer abgesetzt werden können. Berufskollegen von mir wurden noch als Betrüger verfolgt, weil sie „Software“, die es unmöglich geben könne (Materialismus), „betrügerisch“ verkauft hätten.

    Religiöse Gruppierungen nutzen die Begriffe „Seele“ oder besonders „Seelenwanderung“ für dieses Konzept und die Begriffe stehen „tautologisch“ dafür, wie es sich eben „wirklich verhält“, obwohl man nichts „genaues weiß“. Die Wissenschaftler wissen es zunehmend „genauer“, werden vermutlich aber nie „wirklich alles“ wissen.

    Zitat:

    Beim tiefen Lernen in der KI ist klar, wohin man will. Die Zielfunktion ist gegeben. Im Grunde wird nur die Zielerreichung mittels einer parameterisierten Vielfalt von Lösungsversuchen innerhalb einer vorgegebenen Struktur optimiert. Schöpferisches Denken oder Problemlösen ist etwas anderes. Die einzelnen Brocken für die Problemlösung liegen in der Welt ungeordnet herum. Und es gibt Millionen von Leuten, die diese Brocken zumindest ausschnittsweise sehen. Unter diesen Leuten gibt es welche, die einige der Brocken so zusammenfügen, dass unbeabsichtigt eine Lösung entsteht. Oft ist es so, dass diese Leute ein Problem lösen, das sie gar nicht hatten. Erfinder ist dann derjenige, der das Problem kennt oder zuerst entdeckt. Das nennt man Serendipity.

    Der Begriff „ Serendipity“ ist mir neu, sonst sehe ich alles wie Sie. Es wurde uns ehemals bei der Ausbildung so vermittelt.

    Ich möchte von ChatGPT ausgehen. Die Besonderheit ist, dass die Software sehr viele dem Internet bekannte Texte (leider derzeit nur Texte und eher keine „allgemeinen Muster“) auswertet und so etwas wie „psychische, verbale Assoziationsketten“ (die den Psychologen wichtig sind) nutzt, ungefähr so wie es „Klugschwätzer“ machen würden. Es scheint allerdings schwierig auf derartige „allgemeine Muster“ im Gehirn „zuzugreifen“, bzw. sie zu nutzen oder nachzuahmen. Z.B. dass ein Gegenstand oder Flüssigkeit „nach unten“ fällt und ein Roboter das nutzen kann…..

    Jetzt gibt es aber sehr viele „Brocken für Problemlösung“ (Muster) die in der Welt „ungeordnet herum liegen“ und die noch kein Mensch zu Text verarbeitet („kodiert“) hat. In menschlichen Gehirnen können sie aber sehr wohl als „Assoziationsketten von Mustern“ existieren und zweckmäßig genutzt werden. Die Musterverarbeitung beginnt bei der Gehirnentwicklung im Kleinkind und es können zunehmend verbale Muster für die Kommunikation genützt werden.

    Es würde also darum gehen, mathematisierte abstrakte Muster „probeweise“ unbekannten „Mechanismen“ zugrunde zulegen um mögliche Erklärungen zu finden und allenfalls genauer zu erforschen. (Eventuell im Dialog Mensch – Maschine um die „psychischen Assoziationsketten“ zu nutzen, die eine KI irgendwann „nachvollziehen“ kann).

    Der wirklich schöpferische Prozess scheint das Problem. Ein Kind lernt, auch wegen der „positiven oder negativen Empfindungen“, bestimmte „Muster anzustreben“ und andere zu „vermeiden“. Empfindungen zu bewerten könnte man eventuell durch eine Art vom Menschen gelerntem „Punktesystem“ ersetzen?

    Was spricht gegen die Idee, dass in neuronalen Systemen z.B. „Hidden-Markov-Modelle“ realisiert sind, wobei die „Abbildungen der Wahrscheinlichkeiten“ in der Stärke oder Anzahl der synaptischen Verknüpfungen realisiert sein könnten?

    • Timm Grams sagt:

      Heuristiken zur Problemlösung lassen sich vom Menschen auf den Computer übertragen. Aber da bleibt der Mengenunterschied: im Gegensatz zu der dem Menschen prinzipiell zugänglichen Welt ist die des Computers, trotz aller Fortschritte, sehr klein. Er ist ja selbst nur ein Teil dieser Welt. Der Computer enthält nur eine oder wenige Entscheidungsinstanzen im Vergleich zu den Milliarden Menschen. Noch ein Unterschied: Beim Problemlösen ist das Ziel bekannt, beim Erfinden nicht.

  9. Elektroniker sagt:

    @ Timm Grams

    Bei ChatGPT haben Computer große Textmengen, vermutlich hauptsächlich aus dem Internet, bezogen und ausgewertet.

    Jetzt liegt der (unausgereifte) Gedanke nahe, die Unmengen an existierenden Videos und Filme nach visuellen Mustern zu scannen.

    Die KI könnte, von menschlichen „Lehrern“ angeleitet, lernen die Muster sinnvoll zu interpretieren, was letztlich auch Eltern mit den Kindern machen. Psychologen und Informatiker könnten die Informationen nutzbringend ergänzen und strukturiert für weitere Auswertungen speichern.

    Letztlich könnte man auch andere Archive „anzapfen“ um Muster zu extrahieren.

  10. Schwarmdumm sagt:

    Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam Gebundene Ausgabe – 9. Februar 2015

    [tg: Oft bezieht sich Gunter Dueck auf die Warteschlangenformel, so auch im Video Schwarmdumm. Die mittlere Länge einer Warteschlange (genauer: die mittlere Zahl der Personen oder Aufträge im System, die also noch nicht abgefertigt worden sind) ist proportional zu ϱ/(1-ϱ) mit einem Proportionalitätsfaktor in der Größenordnung 1. Bei einer Auslastung von ϱ=85% sind im Mittel etwa 6 Personen/Aufträge im System (wartend oder in Arbeit). Der Mathematiker Dueck nennt BWLer schwarmdumm, weil sie unter Missachtung dieser Formel die Auslastung zu maximieren trachten (ϱ⟶100%).]

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